Eine Busfahrt, die ist lustig …

Die Strecke Santiago de Cuba und Havanna ist auf verschiede Arten zu bewältigen. Wir haben uns für den Touristenbus entschieden.

Facts:

Er kostet 51 CUC / Person, inkl. eines nicht ganz wohl schmeckenden Mittags. Start am Melia Hotel in Santiago und dort im „Innenhof“ auch bis spätestens 24 Std. vorher buchbar.

Die Strecke führt zu erst nach Holguin und dann auf direktem Weg nach Havana. Größere Stops in Camagüey und Ciego de Ávila und ca. alle 2 Std. ein 5min. Pipistop. Mit 2 Reiseleitern und 2 Fahrern, die sich abwechseln. 14 Stunden ist man insgesamt unterwegs.

Der Bus ist recht modern und auch recht neu. Klimaanlage auf Eisschrankniveau 🙈 und Bordunterhaltung jedoch meist auf spanisch. Startzeit 6 Uhr früh pünktlich! Ankunft 22 Uhr Central Parque Havana.

Es ist noch dunkel, als Armando ein letztes Mal überpünktlich an unserer Casa anhält. Die Koffer sind schnell eingeladen und wir sind noch im Zeitfenster (ca. 1-6 Uhr) wo in Santiago Totenstille herrscht. Die Straßen sind leer, es ist angenehm bei 21 Grad und ohne Abgase. Kaum mehr als 5min. fahren wir zum Hotel. Dort stehen aber bereits eine Hand voll Mitfahrer.

Der Bus fährt 5:55 Uhr vor und 6:02 Uhr ist er auch schon on the Road.

Es ist kalt im Bus, die Klimaanlage zeigt, was sie kann, Fenster sind abgedunkelt und mit Gardinen zugezogen.
Zuerst nehmen wir unterwegs einen Reiseleiter und einen zweiten Fahrer auf.
Es braucht noch eine ganze Weile bis die Sonne am Himmel steht.

Der Fahrer fährt sehr bedacht, aber schon um einiges schneller, als Armando. Immer wieder muss er ruckartig bremsen, weil Pferdegespanne auf der Autobahn unterwegs sind oder die Straßenverhältnisse es fordern.

Die Autobahn ist hier in diesem Bereich mit einer unsanierten Landstraße in Deutschland zu vergleichen. Insgesamt 3-spurig, wobei die Mittelspur für beide Fahrtrichtungen genutzt wird. Neben Pferdegespannen sind auch Fußgänger, Radfahrer und alle möglichen Tiere auf der Autobahn unterwegs. Höchstgeschwindigkeit ist in dem Abschnitt 70 km/h. Ein kurzes Nickerchen lässt die 200 km bis Holguin im Flug vergehen.

Zwischendrin ein kurzer Pipistop und in Holguin dann ca. 30 min. Pause. Wir sind in einem Hotel, was vermutlich mit 3-4 Sternen ausgewiesen ist, die Qualität der Toiletten ist äußerst mangelhaft. Sie sind nicht mal abschließbar. Der Rest des Hotels lädt nicht unbedingt zum Verweilen ein.

Der nächste Halt ist Camagüey. Die Häuser werden zusehends schöner, richtige Villen mischen sich mit unter. Es steigen zum Glück keine weiteren Gäste zu und jeder kann eine ganze Bank für sich allein behalten. Die Toiletten noch schlechter, als in Holguin, aber zum ersten mal finden wir ein Red Bull! 😍 Trotz meiner Magenprobleme muss ich eins haben! In Santiago fanden wir nicht mal Coca Cola!
Die Haustürverkäufer nehmen zusehends ab und auch die Pferdegespanne werden deutlich weniger. Der Verkehr in der Innenstadt mit wesentlich weniger Oldies und auch weniger Abgasgeruch.

Hinter Camagüey kann man das Ausmaß von Hurrikan Irma erahnen. Diese traf 1 Woche vor unserem Urlaub (September 2017) bei Camagüey auf Kuba. Die Aufräumarbeiten sind im vollen Gange und blockieren immer wieder die Straße. Felder stehen auch 3 Wochen später noch unter Wasser, Bäume sind abgeknickt bzw. entwurzelt und licht um ihre Krone. Teilweise fehlen den Palmen die Köpfe ganz. Immer wieder sieht man Landstriche, wo nichts mehr steht.

Kurz vor Ciego de Ávila gibt es einen Mittagsstop (ca. 15 Uhr) im Restaurant Oasis, ein recht gemütliches Fleckchen. Wir sind nicht die einzigen Gäste, vor uns sind bereits 2 Reisebusse eingetroffen. Es gibt Kochbananen und den rot-braunen Reis mit Bohnen, dazu Schweinefleischwürfel (irgendwie wie Gulasch, nur ohne Soße 🤔) und ein Gurken-Krautsalat in Essig ertränkt. Die Bananen ungesalzen und das Fleisch… toter als tot! Irgendwie alles ungenießbar. Das trieb selbst der Hunger und meine drohende Reiseübelkeit nicht rein.

Ciego de Avila

Hinter Ciego de Ávila geht es auf die A1 – nicht zu vergleichen mit unserer A1. 3 Spuren in beide Richtungen, ab und an ist 100 erlaubt. Vereinzelt stehen Einzelpersonen am Straßenrand und halten ein Tablett hoch – sieht aus als würden sie Käse verkaufen?!

Nutztiere sind nun fast keine mehr auf den umliegenden Feldern zu sehen und die Anzahl toter Hunde nimmt rapide zu. Hatte man in und um Santiago noch weitestgehend auf das Wohl der Tiere geachtet und wich ihnen aus, scheint das hier nicht der Fall zu sein. Pferdegespanne verabschieden sich ganz, auch Oldtimer sind keine mehr zu sehen.

2 Std. vor Havana – ein letzter Stop, mit der Möglichkeit zum Shoppen, Tanken und Snacken. Eigentlich ein ganz annehnliches Plätzchen für eine Autobahnraststätte.

Havana selbst empfängt uns bei Nacht, die Gegend, zu der wir rein kommen, sieht nicht so freundlich aus, definitiv schmutziger und deutlich ungepflegter als Santiago. Die Häuser zeigen zwar auch hier, dass sie nicht mehr ganz die neusten sind, wobei man nicht erkennen kann, was vom Hurricane zerstört wurde und was immer so aussieht, allerdings sieht man schon, dass wir in eine Gegend kommen, die um einiges fortschrittlicher ist. Kaum biegt der Bus zum Capitol ab, wird es heller. Durchgängige Straßenbeleuchtung, Polizei patrouilliert und es wirkt erst mal aufgeräumt und geputzt. Taxifahrer stürzen sich auf uns wie Moskitos.

Eine lange, aber doch recht entspannte, Fahrt findet hier ihr Ende. Die Busfahrer sehr um unser Wohl bedacht. Fahrerwechsel lieber einmal mehr, als einmal zu wenig. Wenngleich auch während der Fahrt. 🙈

Wer die Zeit bei seinem Aufenthalt hat, aber dennoch etwas komfortabel reisen will, der ist mit dem Bus ganz gut bedient. Günstiger als ein Flieger und ein bisschen was kann man auch vom Land dazu noch sehen.

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