Abenteuer ÖPNV in Japan Teil 2

von Kōbe nach Kyōto

… auch dieses Mal ist es nicht ganz so einfach – überland – von A nach B zu kommen.

Aber als Tipp vorweg – habt Zeit & schaut in Ruhe! Es wird einen Moment dauern, bis man es verstanden hat, aber man kommt an!

In Kōbe selbst ist es nicht mehr so ganz international, wie es das noch in Tokio war. Es gibt u. U. Ticketautomaten, welche die englische Sprache nicht mehr anbieten, auch fehlen die Helferlein und wenn es welche gibt, mangelt es an englischen Sprachkenntnissen.

Als ich in Kōbe ankomme, Bahnhof Shīn-Kōbe, fehlt schon mal völlig die Ausschilderung zum Local Train.

Gut zu wissen!

Die Zuggesellschaften unterteilen sich in den Anbieter des Shinkansen (JR Linie / Schnellzug), Local Trains (Bummelzüge, die gar nicht immer so bummelig unterwegs sind) – beide sind übrigens teilweise auch innerorts mit einzelnen Linien vertreten. Und in die Metro / Subway Linien.

 

In Kōbe liegt mein Hotel an der Station Shinkaichi. Also will ich da auch hin. Leider fährt diese Station nur ein Local Train an. Ab Shīn-Kōbe fahren jedoch nur U-Bahnen und Busse weiter.

Das System war anfangs gar nicht zu verstehen. Auf Nachfrage beim Servicepersonal kam die erste Hürde – mangelnde Englischkenntnisse!
Mit Händen und Füßen verstehe ich, dass ich die grüne Subway Linie nehmen muss ab vermutlich Gleis 4 (er zeigt Richtung Gleise und 4 Finger) und dann soll ich an Minatogawa aussteigen. Seinen gebrochenen „five minutes“ entnehme ich, dass es ab dort 5 Minuten bis Shinkaichi sind und ab da sind es laut meiner Karte auch nur 2 min. bis zum Hotel.

Gut zu wissen!

Das Ticketsystem ist schnell verstanden. Also ein falsches Ticket kann man eigentlich nur kaufen, wenn man nicht richtig liest. 

Über den Automaten hing bei allen Linien, die ich gefahren bin, ein Streckenplan meist in japanischen- und lateinischen Buchstaben. Rot markiert die aktuelle Haltestelle und unter jeder Haltestelle im Kästchen der Preis. Nun gilt es nur noch die Zielhaltestelle zu finden und auf dem Ticketautomaten die Zahl anzutippen, welche den Preis vom Streckenplan zeigt. Zack – habt ihr das richtige Ticket!

ÖPNV Japan Aushang Station

 

Etwas verwirrt, mit klassischem Papierplan in der Hand, Offline Karten App und zusätzlichen Pdf-Varianten an Stadtplänen und Schienennetzen auf dem Handy, passiere ich mit dem Ticket, was mir der Herr aus dem Automaten gezogen hat, die Zugangschleuse zu den Gleisen.

Erst in der Bahn macht es langsam Sinn. Die Haltestellen haben auch hier neben den japanischen Zeichen, die bekannte lateinische Schrift darunter und sind neben den Farben für die Linie auch noch mit Zahlen für jede Station gekennzeichnet. Ich muss nun von Station 02 nach 06. Die Fahrt vergeht wie im Flug.

Minatogawa selbst ist leer gefegt. Kaum Menschen, Geschäfte größten Teils geschlossen, englische Wegweiser selten. 

Mit meiner Offline Map kann ich zum Hotel navigieren und es sind sicher keine 5min., wie dass der Herr an Shīn-Kōbe sagte. Aber mit schwerem Gepäck dauert eben alles länger. Nach ca. 12-15min. erreiche ich das Hotel. Die Station Shinkaichi passiere ich auf meinem Weg.

In Kōbe selbst war das Hotel wohl bestens gewählt, von seiner Lage her. Über die Station Shinkaichi ist man direkt im Local Train, der einen auch ins Umland bringt. Osaka, Arima Onsen, alles keine Entfernungen und auch die Station Kōbe (im Zentrum) hätte man fix erreicht, wenngleich das zu Fuß schon schnell ging. Ich konnte förmlich vom Hotelzimmer in die Bahn fallen.

Minatogawa ist zwar 3min. weiter gewesen, aber hierüber kam man nur zu den beiden Linien der U-Bahn von Kōbe, die ich selbst nur 2x brauchte.

Näher als man denkt

Eigentlich war in Kōbe selbst alles näher als gedacht. Was sind 20min Fußweg. Man will ja auch von der Stadt etwas sehen.

Und wenn man doch mal müde war und schneller zum Hotel kommen wollte, konnte man für einen schmalen Taler in die Bahn springen.
Von Shīn-Kōbe nach Minatogawa waren es gerade mal 1,75 € (Preise richten sich auch hier nach Entfernung).

Auf nach Kyoto

Alles hat bekanntlich ein Ende und so auch mein Aufenthalt in Kōbe. Von hier soll es weiter gehen nach Kyoto.
Google möchte in erster Linie immer die schnellste Verbindung nutzen, also wieder zu Shīn-Kōbe zurück und in die JR Linie. Aber auch die teuerste!

Dabei fährt ein Local Train direkt ab Shinkaichi! Bei diesem muss ich zwar 1x umsteigen, aber durch das Farben / Zahlen System ist es fast ein Kinderspiel.

Für die erste Etappe von Kōbe nach Osaka braucht man ca. 45min. Umsteigen ist für alle, die schon mehrfach Bahn gefahren sind ein Klacks. Treppe runter und auf der anderen Seite wieder hoch. Für alle anderen immer den Schildern Kyoto folgen und der Farbe eurer Linie.

Während ich es mir nun gemütlich machte, weil die Bahn ja ab Osaka ohne Schnörkel bis Kyoto durch fährt, passieren wir Halt für Halt. Irgendwann halten wir deutlich länger als sonst.
Durchsage um Durchsage auf japanisch folgt und bei dem ein oder anderen Fahrgast große Aufbruchsstimmung. Eine nette Dame erklärt mir im gebrochenen Englisch, dass es einen Unfall gegeben hat und ich eine andere Bahnverbindung brauche. Hier wird es mindestens 1-2 Std. nicht weiter gehen.
Mit Händen und Füßen erklärt mir die Zugbegleiterin, dass ich zur JR Station rüber laufen muss und ab dort weiter fahren muss. Mit meinem Gepäck echt ein No Go, aber was soll’s!
Reger Andrang an der Schleuse. Ansagen alle auf japanisch, ich frage mich, was mit meinem Ticket ist!? Ich habe immerhin bis Kyoto bezahlt!
Ich werde durch gewunken, als ich mein Ticket vorzeige und laufe dann erstmal den Massen hinterher. Diese stellen sich an der Information an im nächsten Bahnhof. Hier kriegen wir alle einen Zettel zu unserem Ticket.

 

Gut, und weiter geht’s. Als ich gerade einen Sitzplatz in der nächsten Bahn ergattern kann, winkt mich eine Omi schon wieder raus. Endhaltestelle! Nicht Kyoto!?
Der nächste Zug steht bereits, nur ob er der richtige ist? 🤔 Dran steht jedenfalls nicht Kyoto! Der Zugführer meines Zuges sieht mein Fragezeichen und hilft mir direkt weiter ohne, dass ich erst darum bitten muss. „Das sei mein Zug, da muss ich rein.“

So war es dann auch der letzte Change und ich erreiche endlich Kyoto. Auch hier werde ich mit meinem extra Zettelchen und dem Bahnticket in die U-Bahn gelassen und kann U-Bahn fahren. Tatsächlich weiß der Servicemitarbeiter an meiner Endstation, dass mein Ziel erreicht ist und nimmt mir das Ticket binnen von Millisekunden direkt ab. Da bin ich glatt baff – wie hat er das innerhalb von Sekunden so schnell gesehen?

Die Fahrt hat doppelt so lange gedauert, wie sie es normaler Weise hätte, aber ich bin völlig sprachlos, wie klasse diese verschiedenen Zug Unternehmen (und davon gibt es gefühlt 2000 in Japan) Hand in Hand gearbeitet haben.

Wer kann von Zugreisen durch Japan berichten? Hat Tipps für die, die Angst haben in Japan Zug zu fahren bzw. hat allgemein Tipps? Freu mich auf Kommentare und Erfahrungsberichte.

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