Paradies an der Amalfiküste

– klein, versteckt und fast vergessen –

Die Amalfiküste kann tatsächlich mehr als nur Tourhotspot sein. Jeder kennt die Bilder vom privaten Hotelstrand, dahinter überteuerte Restaurants und danach die Hänge, an denen sich Haus an Haus – besser Hotel an Hotel – reiht. Aber tatsächlich gibt es auch entlegenere Gegenden, die nicht minder schön, wenn nicht sogar deutlich schöner, sind!

Positano

In Amalfi beginnt unser Tag mit einem teuren Parkplatz. 6€ / Stunde, ungeschützt in der prallen Sonne, zwischen Booten und Badegästen – nur ein Schritt bis zum Meer.

Wir frühstücken mit bestem Blick auf den Dom, hinter welchem die Sonne sich zu ihrem täglichen Höhepunkt kämpft. Die Restaurants auf dem Domplatz nehmen sich vermutlich alle nicht viel – überteuert mit unfreundlichem Personal, weil man ja auch gar nicht freundlich sein muss, da spätestens ab 10 Uhr die Menschenmassen über die Stadt hereinbrechen werden.
Dann sind wir jedoch schon auf unserem Weg ins Valle delle Ferriere. Der Aufstieg ist tatsächlich nicht zu verfehlen. Läuft man vom Domplatz in Amalfi ins Landesinnere muss man nur noch den Schildern folgen. Einfach etwas aufmerksam sein, da es 2 Abbiegungen gibt, die man nicht verfehlen darf und die Schilder nur handgeschrieben sind (Stand 2019), aber danach geht es schlichtweg nur noch dem Weg entlang. Erst zwischen Zitronenplantagen entlang, betoniert, teils mit Treppen und unter der unermüdlichen Sonne Italiens, die bereits in den frühen Morgenstunden unerträglich sein kann. Zudem geht es bergauf.

Sobald es in den Wald hinein geht, ist der Weg mit Schotter bedeckt und im weiteren Verlauf sogar eher was für Gummistiefel. Bis zum Endpunkt müsst ihr u.a. über Brücken, Felsen, entlang von Mauern und schlüpft durch einen Maschendrahtzaun. Vor allem auf dem Rückweg nicht zu unterschätzen. Der lehmige Waldboden bleibt in den Schuhprofilen hängen und durch die Feuchtigkeit wird das eine Art Schmierseife. Wenn es auch mich nicht getroffen hat dieses Mal, so hat meine Begleitung eine halbe Else hingelegt und danach mit seinem Fuß zu kämpfen gehabt.

Zu sehen gibt es hier aller Hand und die Menschen, die in diesen Teil der Amalfiküste eintauchen sind übersichtlich. Hin und wieder Wanderführer mit kleineren Gruppen, Privatpersonen verirrten sich an unserem Tag und während der Zeit, als wir dort waren nur 4 Stück dort hin.
Wir haben direkt an einer der ersten alten Mühlen, die von der Natur schon wieder gut in Beschlag genommen wurden, Halt gemacht. Man kann vorsichtig bis ganz an den Fluss heran treten, hat eine kleine Höhle und einen tosenden Wasserfall.

Im weiteren Verlauf lauft ihr an mehreren Gebäuderuinen vorbei, wir selbst haben zwischenzeitlich am Flusslauf gehalten. Das Wasser ist recht seicht und glasklar. Ich musste schlicht Hände waschen und das Gesicht kühlen. Es gibt viele Kaulquappen, die Kröteneltern lassen sich von Steinen kaum unterscheiden. Ich selbst, war leicht geschockt, als der vermeintliche Stein, unmittelbar vor mir, plötzlich anfing sich zu bewegen.
An einer Art Viadukt haben wir wieder gestoppt. Hier ist tatsächlich eine ganz idyllische Ecke. Die Sonne schafft es in den Wald hinein, da die Bäume hier lichter sind. Das Wasser stürzt geschätzte 5-7m über die Felsen in die Tiefe. Am oberen Rand staut es sich, ist wieder glasklar erfrischend und kommt von einem mit Moos bewachsenen Wasserfall hinunter. Es ist fast nur ein tröpfeln, aber das liegt an den trockenen Wochen zuvor, wie wir später noch erfahren werden. Hier lässt es sich gut aushalten, wenngleich ich vor den Kröten, die sich als Steine tarnen, fortan Respekt hatte.

   

Weiter flussaufwärts stoppen wir ein weiteres Mal an einer Holzbank mit Tisch, wo das Klima mit einem Schlag so angenehm wird. Es ist warm, aber fühlt sich frisch an. Die Luft ist angenehm zu atmen und von den mittler Weile fast 40 °C ist kaum mehr was zu merken. Das Wasser ist an dieser Stelle von Menschenhand gestaut und ein kleiner Hund balanciert auf den Mauern. Eine Trinkwasserstelle ist gekennzeichnet und es schmeckt hervorragend!

Für die letzten Meter muss man 5€ Eintritt zahlen. Absolut legitim für das, was man zu sehen bekommt. Es ist leider kleiner als gedacht, dafür aber nicht minder schön.
Ich hatte dieses Tal in einer Fernsehdoku gesehen und war sofort fasziniert, wie das Moos auf den Felsen vollflächig wächst und der „Wasserfall“ hinunter tropft. Es sah fast aus wie ein Moos-Wasserfall. Es sah so einzigartig aus. Das Highlight an der Stelle ist aber sicher der Wasserfall, der sich viele Meter von oben herab stürzt. Er sah unwirklich aus, weil ihm kein riesiges Becken mit Wasser zu Füßen lag. Es war eher ein Rinnsal, der schnellstmöglich versucht hat, vor ihm davon zu fließen. Wie uns der Guide vor Ort erklärte, liegt das an der Trockenheit. Wir hatten Glück, dass überhaupt etwas Regen fiel Tage zuvor und somit eine geringe Menge Wasser floss.
Wie die Dame weiter erklärte, sei dieses wunderschöne Fleckchen Erde der italienischen Regierung egal. Man hatte bereits überlegt es für Nutzland zu eliminieren. Das konnte jedoch abgewendet werden. Die beiden Guides betreiben ihre Arbeit ehrenamtlich und versuchen dieses Fleckchen Erde zu schützen. Schützen vor dem Abriss, aber auch vor Umweltsündern. Schützen der einzigartigen Flora und Fauna und den wenigen Menschen, die sich hier hin verirren diese wunderbare Natur und die Geschichte des Tales näher zu bringen.

Im Tal selbst ist es fast schon kalt. Das Klima ist so wundervoll reguliert durch die Pflanzenwelt und das Wasser, welches förmlich aus allen Richtungen kommt.

Leider ist vieles abgesperrt, weil es zu gefährlich wäre, wenn man noch tiefer hinein geht. Aber wenigstens über die Absperrung zum Wasserfall durfte ich für ein kleines Foto klettern. 🙂

Für uns hat sich der Aufstieg gelohnt! Wir waren insgesamt ca. 4 Stunden unterwegs, haben aber mehrere gute Päuschen eingelegt. Am anstrengendsten war tatsächlich der Abstieg, der in der Mittagssonne erfolgte und das Thermometer die 40°C Marke erreicht hatte.

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